Martin Shkreli – Warum mir der „meistgehasste Mann Amerikas“ sympathisch ist!

Martin Shkreli – Warum mir der „meistgehasste Mann Amerikas“ sympathisch ist!

Ein Skandal jagd den nächsten und noch dazu geht es dabei um lebensrettende Medikamente. Martin Shkreli muss man einfach hassen! Oder vielleicht doch nicht?

Der Skandal

Ich kann mich noch gut an die Schlagzeilen im September 2015 erinnern: „Pharma-CEO erhöht lebensretendes HIV-Medikament um 5.000%“, „Martin Shkreli – Die Gier hat ein Gesicht“, „Der meistgehasste Mensch im Internet“. Doch wer genau ist Martin Shkreli und was war geschehen? Shkreli war zu diesem Zeitpunkt CEO des pharmazeutischen Unternehmens Turing Pharmaceuticals. Das Unternehmen spezialisiert sich auf s.g. „rare diseases“, also seltene Krankheiten, die von großen Pharma-Konzernen wie Bayer oder Pfizer aufgrund geringer Profitabilität selten beachtet werden. Das Medikament, welches aufgrund der Preissteigerung von 13,5 USD auf 750 USD pro Tablette so prominent in den Medien vertreten war, nennt sich übrigens Daraprim (Pyrimethamin). Daraprim ist ein Arzneimittel gegen die Infektionskrankheit Taxoplasmose, welche vorwiegend durch Katzen übertragen wird, für einen gesunden Menschen allerdings in aller Regel ungefährlich ist. Lebensdrohlich wird die Krankheit allerdings für stark immungeschwächte Personen, wie dies z.B. nach einer HIV-Infektion der Fall ist. In Amerika leiden nach Schätzungen zwischen 4.000-5.000 Menschen an Taxoplasmose.

Aber zurück zu Martin Shkreli und dem Medien-Skandal. Die 55-fache Preiserhöhung eines Medikaments, noch dazu eines lebenrettenden, ist natürlich prädistiniert für aufwühlende Schlagzeilen. Selbst ich, der sich von reisserischen Überschriften mittlerweile nicht mehr so leicht beeindrucken lässt, habe das für einen berechtigten Skandal gehalten. Der Fall wurde schnell und weltweit von sogut wie allen Medien aufgegriffen. Infolgedessen stellte sich Martin Shkreli für ein Interview mit CNBC zur Verfügung, welches allerdings nur noch mehr Öl in das Feuer goss:

Die Medien und Martin Shkreli

Der Skandal wurde weiter angeheizt durch einen Tweet von Hillary Clinton, die sich für eine Regelementierung aussprach, damit solche Fälle in Zukunft nicht mehr vorkommen. Shkreli hat sich mit vielen seiner Interviews, vor allem zu Beginn, meist keinen Gefallen getan. Dies lag vorallem an einer gewissen Unerfahrenheit gegenüber Medien, andererseits daran, dass Shkreli nicht die Rolle gespielt hat, in der Medien und Beobachter ihn gerne gesehen hätten. Auf Fragen seitens Journalisten hat er oft entweder knapp ohne weitere Ausführung geantwortet (Reporter: „Doctors and patient groups are saying that they can’t access this drug. Are you gonna change the price?“ Martin Shkreli: „No.“) oder mit Argumenten geantwortet, die bei einem Großteil der Beobachter nicht gut angekommen sind. Dazu gehörte z.B. die Argumentation, dass er nicht zuletzt seinen Shareholdern gegenüber verpflichtet sei, die sich natürlich einen Gewinn Ihres Investments erwarten. Eines der kontroversesten Interviews gab er beim Forbes Healthcare Summit vor versammelten Vertretern der Pharma-Industrie. Man merkt hier Shkreli bereits deutlich an, dass er die Fragen zu dem ganzen Fall nicht mehr hören kann und zeigt dies in provokativer Trotzigkeit:

Shkreli argumentiert die Preiserhöhung von Daraprim auf zwei Wegen:

  1. Daraprim ist mit mit a) 13,5 USD pro Tablette nicht profitabel und b) kein besonders sicheres Medikament mit vielen Nebenwirkungen. Das Ziel ist hier also, eine bessere Version zu entwickeln. Die Forschung muss natürlich irgendwie finanziert werden.
  2. Als CEO eines Unternehmens besteht die (teilweise gesetzliche) Verpflichtung, dieses profitabel und auf Gewinnmaximierung ausgerichtet zu führen. Des Weiteren fühle sich Shkreli gegenüber seinen Shareholdern verpflichtet.

Hätte Shkreli nur den ersten Punkt kommuniziert, wäre die Sache wahrscheinlich nicht zu so einem Drama ausgeartet, wie es im Endeffekt geschehen ist. Sauer aufgestoßen ist den meisten die Profit-Argumentattion, was ihm viele Bezeichnungen wie die „Verkörperung des puren Kapitalismus“ einbrachte. Und natürlich – Das gibt guten Stoff für Schlagzeilen. Die Frage ist an dieser Stelle, ob die Kritik berechtigt und die Wut auf Shkreli gerechtfertigt ist. Aus meiner Sicht ist sie das nicht. Dabei will ich gar nicht so sehr auf Grundsatzdiskussionen im Bezug auf Kapitalismuskritik eingehen. Interessant an dem Fall fand ich viel eher den Schock und die Verwunderung vieler darüber, wie das Geschäft funktioniert. Es kam mir ähnlich vor, als hätte man einem Kind das erste Mal erklärt, dass es den Weihnachtsmann eigentlich gar nicht gibt. Was für ein Unding, dass ein Unternehmen Gewinne braucht, um zu wachsen! Natürlich lag ein großer Teil der Aufregung in Shkreli’s Kommunikationsform. Dazu zählt auch, dass er sich vor Medien je nach Tagesverfassung präsentiert. Mal professionell und empathisch, mal trotzig und provokant. Ein mediengeübter CEO würde im Anzug erscheinen und sich im Vorfeld mediengerechte Phrasen überlegen. Martin Shkreli kommt in Jeans und Pullover und spricht wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Was in meinen Augen nicht unbedingt ein Fehler ist. Authentizität sollte niemals ein Fehler sein. Ein Fehler ist es nur insofern, dass einem Martin Shkreli natürlich auch bewusst gewesen sein muss, wie die Reaktion auf bestimmte Sachverhalte ausfallen und er sich trotzdem entschieden hat, das Thema gelassener anzugehen.

Man kann jetzt natürlich nur mutmaßen, was dazu geführt hat, dass der Skandal so medienpräsent aufgebauscht geworden ist. Meiner Ansicht nach haben hier mehrere Faktoren zu diesem Ergebnis geführt:

  • Martin Shkreli hat öffentlich Stellung zu der Preiserhöhung bezogen, was eine eher unübliche Vorgehensweise in so einer Situation ist.
  • Preiserhöhungen werden meistens schrittweise über mehrere Jahre eingeführt. Retrophin entschied sich, dies in einem Schritt zu tun.
  • Medizinische Bereiche möchten viele nicht als ein Business sehen. Natürlich ist den meisten bewusst, dass es sich im Endeffekt genauso um ein Geschäft wie Schuhverkauf handelt. Allerdings steckt hier in der Regel sehr viel mehr Emotion drin, als in Bereichen, die sich nicht um Heilung bzw. Krankheit drehen.

Aufgewachsen in Brooklyn

Nach manch einem Zitat möchte man schnell den Eindruck gewinnen, dass man es hier mit einer eiskalten Person zu tun hat. Martin Shkreli ist aber eine durchaus interessante Person. 1983 geboren und als Sohn einer albanischen Einwandererfamilie ist er in Brooklyn in eher einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Da bereits früh ein überdurchschnittlicher IQ festgestellt wurde, ging er auf die Hunter College high School in New York, einer Schule für hochbegabte.

Shkreli interessierte sich schon in jungen Jahren für den pharmazeutischen Bereich und brachte sich autodidaktisch großes Wissen über Chemie und Medizin bei. Das Interesse an diesen Bereichen lag vorallem darin begründet, dass Shkreli’s Schwester an einer Infektionskrankheit litt, an der sie auch verstarb. Einen entscheidenden Punkt in Shkreli’s beruflicher Laufbahn stellte auch die Entscheidung seines Vaters dar, ihm mit 14 Jahren einen Account bei einem Online Broker zu eröffnen. Shkreli hatte 1000 Dollar, die er daraufhin begann anzulegen. Daraus ist eine große Begeisterung für die Finanzmärkte entstanden, zu dem ausschlaggebend auch das Buch „Alchemie der Finanzen“ von George Soros* beigetragen hat.

Die Finanzwelt ist doch nicht das Wahre

Ein paar Jahre darauf, mit 17 Jahren, wurde Shkreli als Praktikant bei Cramer Berkowitz, dem Hedgefonds von Jim Cramer, bekannt aus der inzwischen abgesetzten Finanz-Sendung „Mad Money“, aufgenommen. Anfangs bei der Poststelle tätig, stellte sich schnell heraus, dass Shkreli eine Begabung hatte unprofitable und betrügerische Biotech-Unternehmen auszumachen um diese daraufhin zu shorten (so wird das Wetten auf fallende Kurse bezeichnet). Der Erfolg dabei ging sogar so weit, das die amerikanische Börsenaufsicht auf ihn aufmerksam wurde und Insider-Handel vermutete. Der Verdacht erhärtete sich allerdings nicht.

Nach vier Jahren bei Cramer Berkowitz entschloss sich Shkreli, einen eigenen Hedgefunds namens „Elea Capital Management“ zu gründen. Dieser sollte allerdings nicht lange Bestand haben, da Shkreli eine riskante Short-Position in der Höhe von 2,6 Millionen US-Dollar durch die frühere Investmentbank Lehman Brothers einging, welche sich als Fehlspekulation heraustellte. Lehman Brohters versuchte daraufhin, das Geld bei Shkreli einzuklagen. Dazu ist es allerdings nicht mehr gekommen, da Lehman Brothers bekanntermaßen im Zuge der Finanzkrise 2008 unterging.

Kurz darauf gründete Shkreli mit Marek Biestek, einem Freund aus Kindertagen, einen weiteren Hedgefunds namens MSMB Capital Management LLC. Der Hauptfokus lag ein weiteres Mal auf dem Shorten von Biotech-Aktien. Die Ergebnisse aus der Recherche wurden in Message-Bords und Foren verteilt, um das Fallen der Kurse der betreffenden Unternehmen zu beschleunigen. Investoren waren von Shkreli’s Gespür für unprofitable und betrügerische Biotech-Unternehmen sowie Kenntnisse über die Branche begeistert. Wen interessiert, wie Shkreli bei der Analyse vorgeht, kann sich hier ein Bild machen.

Es geht in die Pharma-Branche!

2012 schloss Shkreli MSMB Capital, um sein erstes Pharma-Unternehmen Retrophin zu gründen. Der Entscheidung lagen mehrere Gründe vor. Zum einen sah er darin eine bessere Renditemöglichkeit, zum Anderen wollte er sich sinnvolleren Aufgaben widmen. Shkrekli sagt in einem Interview mit VICE dazu: „[…] I went from this kinda ridiculous idea that people sit around and speculate on a stock price like it’s something to do. It’s absurd.“ Shkreli beteiligt sich weiterhin am Börsenhandel, allerdings nicht mehr institutionell.

Weiters wurde Shkreli durch die Geschichte eines Jungen, der an einer seltenen Krankheit verstarb, dazu bewegt sich der Forschung zu widmen. Einer der Doktoren, der mit Shkreli zusammenarbeitete, sagte über ihn, dass er bei ihm einen großen Respekt und Wertschätzung für die Wissenschaft bemerkt habe. Aus einer dieser Forschungen ging ein Medikament gegen die lebensbedrohliche Krankheit PKAN hervor.

2014 beschloss das Management von Retrophin, Martin Shkreli als CEO des Unternehmens zu entlassen. Diese Entscheidung wurde getroffen, als der Verdacht aufkam, dass Shreli Kapital von Retrophin entwendete, um Verluste aus seinem Hedgefonds auszugleichen und damit Investoren zu entschädigen. Weiters verloren auch Shareholder das Vertrauen in seine Fähigkeiten als CEO, bezeichneten ihn teilweise als zu jung und undiszipliniert für diese Aufgabe. Auf der anderen Seite beschrieben Business-Partner Martin Shkreli oft als ein Genie mit visionären Ansichten. Ein früherer Investor schätze Shkrelis I.Q. auf einen Wert zwischen 150-160.

Weniger als ein halbes Jahr nach Shkreli Abgang von Retrophin gründete er sein zweites Biotech-Unternehmen Turing Pharmaceuticals. Der Fokus lag ein weiteres mal auf seltenenen Krankheiten. Und hier kommen wir zum Auslöser des oben behandelten Skandals: Turing erwarb die Rechte an Daraprim und erhöhte kurze darauf den Preis. Auf Basis des seit 1953 existierenden und FDA (Food & Drug Administration)-genehmigten Medikaments wurde aufgrund der kleinen Zielgruppe bisher kein Generikum entwickelt.

Eine weitere Station im Biotech-Bereich in Martin Shkrelis stellte KaloBios Pharamaceuticals dar. Eine von Shkreli geführte Investorengruppe erwarb durch Ankauf entsprechend vieler Anteile (70%) den Großteil des Unternehmen. Im November 2015 wurde Shkreli zum CEO von KaloBios ernannt.

Fun Fact: Joe Campbell, der Pechvogel

Am 18. November 2015 nach Börsenschluss gab KaloBios bekannt, dass Martin Shkreli nun die meisten Anteile an dem bislang unprofitablen Unternehmen besitzt. Die Aktie schoss von ca. 2 USD auf 16 USD. Blöderweise hatte ein privater Trader namens Joe Campbell darauf verzichtet seine 35K USD-Short Position über Nacht zu schließen. Just an dem Tag, an dem KaloBios oben erwähnte Pressemeldung ausgab. Joe Campbell hatte seine Ersparnisse auf den Niedergang KaloBios‘ verwettet und hatte somit plötzlich Schulden in Höhe von 106K USD. Campbell wog sich in Sicherheit, da KaloBios ein unbekanntes Penny-Stok-Unternehmen unter vielen war. In der verzweiflung startete Campbell eine Kampagne auf der Funding-Plattform „GoFundMe“, wo er um finanzielle Unterstützung bat. Natürlich kam dabei nicht viel zusammen. Campbell konnte etwa 1.500 USD sammeln. Sorry Joe, kein Mitleid für dumme Trades.

Hier der Text der GoFundMe-Kampagne und  Screenshots des desaströsen Trades:

Joe Campbell - GoFundMe Kampagne (Klicken zum aufklappen)

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If you don’t want to donate I understand, at least read my story of what happened today and protect yourself from the same happening to you! This is a terrible lesson for me but if this helps just one person than I’m happy I wrote this.
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I was holding KBIO short overnight for what I thought was a nice $2.00 fade coming. At the close of the bell I saw the quote montage clear out and figured today there was no action after hours in the stock. So I went to my office for a long meeting. I got out of the meeting and saw a message from one of my buddys, he asked if I was ok since I was short KBIO….my heart dropped. „Shoot did I blow up my account, everything I worked for? I don’t want to lose all $37,000 that would be terrible.“ —It was much worse.
The stock was at $16 and my account was negative over 100k. I figured it was a mistake, Etrade would never let that happen, they must have cut the position when my account got to $0….nope. I immediately called them and they confirmed I still owned all the shares. He says that it got out of hand too fast for them to cover me, he says that all he can do right now is cover. I was devistated. I asked him to cover at $16 and he waited trying to find me a good exit. I told him to do it asap and the fill was around $18.50 avg.
At the moment not only is my $37k gone, but I now owe ETrade the negative balance of over $106k. I always knew I could blow up an account and I was financially able to „afford“ to lose the $37k. Never in my wildest dreams did I imagine that Etrade would NOT have some sort of stop or circuit breaker in place that would automatically cut a position if the account went to $0…..how could they ever let it get to -$144k loss on a account that small! Also, why did I have to call them to find out what was going on, why did they not alert me or call me when it went neg???
I’m never one to ask for a handout and honestly I’m kinda not sure if I should post this but here we go. I’m sure it will cause lots of controversy on whether or not I deserve even a $1 donation but it doesn’t hurt to ask. Anything you traders can do to help me get a little out of this hole would be a blessing for me. Anything donated will go 100% to simply paying Etrade some of this $106,445.56.
My plan moving forward is to liquidate mine and wife’s 401k’s and try work out a payment plan with Etrade. I’m also going to ask them to help out in some way…thats a longshot. I will pay them and be back trading….only with set stops this time. What an expensive lesson that was.
I hope my story helps someone else from the same.

 

 

Das FBI und der Hedgefonds

Zurück zu Martin Shkreli, denn hier passierte im Dezember 2015 auch etwas aufregenderes: Das FBI stürmte sein Appartment in New York und führte ihn in Handschellen ab. Ihm wurde vorgeworfen, Anleger seines Hedfgefonds betrogen zu haben und Gelder von Retrophin abgezweigt zu haben, um Verluste im Zusammenhang mit seinem Fond zu kompensieren.

KaloBios entließ ihn nach der Verhaftung und Turing Pharmaceuticals berief Ron Tilles als Interims-CEO ein. In einem offiziellen Statement bedankte sich Turing für die Leistungen und den hohen Einsatz Shkreli’s innerhalb des Unternehmens und wünschte ihm alles gute.

Shkreli wurde auf Kaution und hinterlegung einiger Sicherheiten, unter anderem eines mehrere Millionen schweren E-Trade Accounts auf freien Fuß gelassen. Weiters engagierte Shkreli den Star-Anwalt Benjamin Brafman, um ihn bei diesem Fall zur Seite zu stehen.

Streamen und Trollen geht immer!

Nach der Freilassung begann Shkreli noch exzessiver, was er eig. schon die Monate davor getan hat: Rund um die Uhr streamen, Twittern und (Real-Life)-Trollen. Unter einem „Troll“ versteht man im Internet eine Person, die durch meist unpassende oder provokative Meldungen auf sich aufmerksam macht. Dieses Phänomen ist vorwiegend in Foren anzutreffen.

Es gab und gibt übrigens wenig, was Shkreli nicht streamt. Das reicht von Ansprachen vor seinen Mitarbeitern während seiner Zeit bei Turing (nachfolgendes Video), als auch stundenlange Chat-Sesssions, Aktienanalysen, Lague of Legends-Gaming, etc.

Im Zuge der Streams und diverser Twitter-Aktionen hat sich eine regelrechte Fan-Gemeinde um Shkreli gebildet. Man kann fast rund um die Uhr  seinen Stream öffnen und dabei an oft sehr unterhaltsamen Situation teilhaben. Das reicht von Shkreli beim Online-Dating bis zu Diskussionen mit Anrufern zu diversen Themen. Der Youtube-Kanal „Best of Martin Shkreli“ veröffentlicht regelmäßig die besten Momente aus diesen Streams.

Es gibt aber teilweise auch sehr lehrreiche Inhalte auf seinem Kanal. So veröffentlichte Shkreli einen kostenlosen Einführungs-Kurs zum Thema Investing and Finance sowie einige Chemistry Lessons. Seit einger Zeit streamt Shkreli jeden Sonntag eine meist einstündige Wochenrückschau zu den Themen Finanzen, Wirtschaft, Pharma und Tech namens „This Week In Investing“.

Mit Shkrelis Twitter-Aktionen könnte man vermutlich ein ganzes Buch füllen, deshalb hier nur eine kurze Zusammenfassung bzw. das Ergebnis des ganzen: Martin Shkreli ist bei Twitter lebenslang gesperrt. Dies umgeht er mit immer neuen Accounts unter Decknamen. Nach einigen Wochen bekommt Twitter davon Wind, so dass das Katz-und-Maus-Spiel beginnt von vorne beginnt.

 

 

It’s painful to talk about Harambe!

Eine tragende Komponente der Fangemeinde ist Shkreli sarkastischer Humor. Nicht nur Online auf Facebook oder Twitter, sondern auch Live im TV, unter Anderem bei CBSN. Dabei handelt es sich um den letzten Teil eines Interviews, welches man fast schon als Klassiker im Shkreli-Universum bezeichnen könnte. Shkreli gibt hier vor ahnungslosen Moderatoren ein von seiner Seite nicht ganz ernstgemeintes Interview zum Thema Harambe. Der Clou bei dem ganzen ist natürlich, dass Shkreli seine wahren Ansichten und moralischen Überzeugungen mit sarkastischen Spitzen untermischt. Daraus ensteht für außenstehende oft ein gemischter Eindruck Shkreli’s. Shkreli äußerte sich desöfteren zu dieser Art von Humor und sagte dazu, dass er gerne diverse Reaktionen beobachte und es liebe auf diese Weise mit den „Massen“ zu spielen.

Shkreli, der „Pharma Bro“

In den Medien wird Shkreli übrigens oft mit dem Namen „Pharma Bro“ betitelt. Das hängt hauptsächlich mit einem älteren, auf Twitter geposteten Foto zusammen, auf dem er eine Pose aus einem Musik-Clip des Rappers Flo Rida nachmacht. Shkreli hatte bei der Entstehung eigentlich nur mit Kollegen herumgescherzt. Viele Medien nahmen dies allerdings etwas zu ernst. Somit ist der Name „Pharma Bro“ geblieben.

Tatsächlich ist Shkreli aber Rap-Fan. Dies zeigte sich auch dadurch, dass Shkreli das unveröffentlichte Wu-Tang-Album „Once Upon a Time in Shaolin“ für 2 Mio. USD im Zuge einer offiziellen Auktion ersteigerte (davor jedoch jedoch mit mehreren Millionen USD in Bitcoins auf einen Betrüger hereinfiel). Laut eigenen Angaben wollte Shkreli so in Zeiten von kostenlosen Streams auf den Wert von Musik aufmerksam machen.

Die Anhörung

Am 17. Dezember 2015 war Shkrelis Gerichtsverhandlung noch ausständig, allerdings sollte er sich dem Kapitol in Washington einer Anhörung unterziehen. Auf Anraten seines Anwalts Benjamin Brafman sollte Shkreli von seinem Recht zu Schweigen gebrauch machen und keine Aussagen treffen. Dies wurde dem Anhörungsgremium zuvor mitgeteilt. Shkreli musste trotzdem erscheinen. Bei der gefilmten Anhörung ging es nicht, wie man meinen möchte, um die Anzeige in Zusammenhang mit seinem früheren Hedgefonds. Shkreli wurde hauptsächlich zu der Preiserhöhung von Daraprim befragt. Teilweise wurde hier mit aller Dramaturgie darauf eingegangen. Shkreli konnte sich einige Grimassen zu den Fragen nicht verkneifen, was abermals groß in den Medien für Schlagzeilen sorgte. Meist wurde hier nicht ausreichend recherchiert, dass es keinen Patienten gibt, der nicht Zugang zu dem Medikament hat, wenn er oder sie es benötigt. In den Einzelfällen, in denen Patienten aufgrund mangelnder Versicherung tatsächlich erschwerten Zugang haben, hat Shkreli es verschenkt („If you can’t afford the medicine […] I will run to help you!“).

Gödel Systems

Da Shkreli inzwischen auch nicht mehr bei Turing Pharmaceuticals tätig war, gründete er ein neues Unternehmen: Gödel Systems Dafür las sich Shkreli in einen Stapel von Büchern zur Web-Programmierung ein, und fing an, Software zu schreiben. Zu diesem Unternehmen sind noch nicht viele Details bekannt. Die Vision ist es allerdings, führender Anbieter und Zulieferer von Daten in Finanz-, Rechts-, und Wissenschaftlichen Bereichen zu werden.

Mitte 2017 begann Shkreli’s Gerichtsverhandlung. Am 04. August 2017 wurde verkündet, dass Shkreli nur in drei von insgesamt acht Anklagepunkten schuldig gesprochen wurde. Die Festlegung der Strafmaßnahme steht zum jetzigen Zeitpunkt noch aus. Shkreli wurde gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt:

Der fatale Witz um Hillary Clinton’s DNA

Trotz der turbulenten Zeit, arbeitete Shkreli weiter an seinem neuen Unternehmen und sogar sein News-Format „This Week in Finance“ stand regelmäßig auf seinem Youtube-Channel zum Abruf – bis zum 13. September 2017. Die zuständige Richterin hob Shkreli’s Kaution an diesem Tag mit sofortiger Wirkung auf.

Shkreli hatte auf Facebook verkündet, demjenigen 5.000 Dollar der ihm ein Haar von Hillary Clinton besorgt während Sie durch das Land tourt, um ihr neues Buch zu präsentieren. Es ginge um Hillary’s DNA. Das Ganze wurde um eine nicht ganz ernstgemeinte Geschichte um die Hillary Foundation herum gestrickt. Ein weiterer versteckter Witz lag darin, dass Haar überhaupt keine DNA enthält.

Jedoch kam es, wie es kommen musste: Shkreli landete abermals vor Gericht und versuchte gemeinsam mit seinem Anwalt den Humor dahinter zu erklären. Die Richterin allerdings wertete das Ganze jedoch als Aufruf zu einer Straftat und schickte Shkreli ins Gefängnis (strenggenommen sitzt Shkreli seit dem in einem“Jail“, was mehr einer Untersuchungshaft gleichkommt und nicht mit einem „echten“ Gefängnis, dem „Prison“, zu verwechseln ist).

Ab und zu lässt Shkreli sogar aus dem Gefängnis heraus von sich hören. So soll Shkreli seinen Mitinsassen Mathematik beibringen und in verschiedenen anderen Fächern unterrichten. Sogar Bücher lässt er für sie ins Gefängnis liefern.

In einem handdgeschriebenen Brief an eine Freundin meint Shkreli, dass das Gefängnis „nicht SO schlimm ist, wie gedacht“. Und „College will not help you to succeed in jail“, „You can prepare yourself with Urban Dictionary“.

Wer Martin Shkreli bisher ebenfalls etwas verfolgt hat, weiß, dass es noch etliche weitere Geschichten zu erzählen gäbe. Dieser Post sollte allerdings eine gute Übersicht um über die Person Martin Shrekli und die Geschehnisse herum geben. Ich denke Shkreli ist eine der Personen, die man entweder mag oder nicht mag. Es gibt kein Dazwischen.

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